Was macht eigentlich ein Chiropraktor? (Gesundheit AKtuell, 2016-3)

Was macht eigentlich ein Chiropraktor?

Das Berufsbild des AK-Begründers im Porträt


Die Chiropraktik gibt es mit diesem Namen, seit Daniel David Palmer sie 1895 in den USA begründet hat. Die ältesten Darstellungen manueller Wirbelsäulenbehandlung lassen sich allerdings mehr als 3.000 Jahre in die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) zurückverfolgen.
Heute ist die Chiropraktik ein medizinischer Fachbereich, der sich mit Funktionsstörungen im menschlichen Körper beschäftigt. Hauptansatzpunkte sind für den Chiropraktoren die Wirbelsäule und sämtliche Gelenke mit ihren umgebenden Muskeln, Bändern und Faszien. International ist Chiropraktor der drittgrößte Heilberuf nach Humanmedizinern und Zahnärzten und in vielen Ländern (z.B. Schweiz und Dänemark) voll ins Gesundheitssystem integriert. In Deutschland gibt es leider keine gesetzliche Regelung, sodass Chiropraktoren hier bislang als Heilpraktiker oder Ärzte arbeiten müssen.

Wie wird man Chiropraktor?

Die Ausbildung besteht in einem Vollzeitstudium nach international definierten Standards. Dieses umfasst mindestens 5.000 Stunden und wird je nach Universität in vier bis sieben Jahren vermittelt. Neben der Anatomie, Physiologie und verschiedenen Behandlungen des Muskel-Skelett-Systems umfasst das Studium auch Krankheitslehre, Psychologie, Neurologie und Orthopädie, außerdem lernt man das Anfertigen und Interpretieren von Röntgenbildern und MRTs (außerhalb Deutschlands dürfen Chiropraktoren ihr eigenes Röntgengerät besitzen). Momentan ist ein Studium nach diesen Standards in Deutschland nicht möglich – die knapp 150 Chiropraktoren in Deutschland haben ihren Abschluss alle im Ausland erworben.

Wie läuft eine Behandlung ab?

Nach einem ausführlichen Anamnesegespräch erfolgt die körperliche Untersuchung des Patienten. Diese beinhaltet orthopädische, neurologische sowie chiropraktische Tests. Genauso wichtig wie die Diagnosefindung und das Korrelieren mit den vom Patienten angegebenen Symptomen ist der Ausschluss von Kontraindikationen, also medizinischen Faktoren, die eine Therapie verbieten würden – darum auch das breit angelegte chiropraktisch-medizinische Studium. Die eigentliche Behandlung geht dann meist relativ schnell. Mit gezielten Impulsen werden die Gelenke und umgebenden Weichteile justiert und dadurch die normale Beweglichkeit des Gelenks wiederhergestellt. Durch jahrelanges tägliches Üben im Studium ist die Anwendung der entsprechenden Techniken perfektioniert und erfolgt mit minimalem Kraftaufwand. Die Techniken werden auch immer speziell an den Patienten angepasst und individuell ausgewählt. Sie sind typischerweise völlig schmerzfrei. Da eine chiropraktische Behandlung aber auch immer eine (gewünschte) Neuausrichtung des Körpers bewirkt und somit eine Neuorganisation des Nervensystems und der Muskeln erfordert, kann es nach der Behandlung zu Muskelkater und Müdigkeit kommen.

Knacken, Ausleiern und wiederkehrende Behandlungen

Eine Justierung kann mit einem Knacken im Gelenk einhergehen. Dies ist völlig harmlos und kommt von zerplatzenden Gasbläschen in der Gelenkflüssigkeit. Das Knacken sagt nichts über den Erfolg oder Misserfolg der Justierung aus. Der Chiropraktor ist so erfahren, dass seine Justierung niemals die eigentlich normale Beweglichkeit des Gelenks übersteigt. Sie bleibt in den normalen physiologischen Grenzen. Daher kann die Behandlung niemals zu einem Ausleiern der Gelenke führen.
Viele Patienten befürchten ständig wiederkehrende Behandlungen. Da der Chiropraktor aber immer auch nach der Ursache der Blockaden sucht, sind diese eher selten. Ausnahmen sind Patienten, die ihre täglichen Fehlbelastungen nicht ändern wollen oder können. Immer gleiche Drehbewegungen im Beruf, eine falsche Anordnung des Bildschirmarbeitsplatzes oder Sportverletzungen, die nicht richtig auskuriert werden, können etwa ein Wiederkehren von Problemen begünstigen.

Chiropraktik und Applied Kinesiology

Der Begründer der Applied Kinesiology, George Goodheart, war: Chiropraktor! Daher sind die ersten AK-Techniken auch sehr auf die strukturelle Behandlung ausgerichtet. Die Deutsche Ärztegesellschaft für Applied Kinesiology hat die AK in den letzten 20 Jahren aber auch vermehrt auf den biochemischen und psychologischen Seiten der Triad of Health (Abbildung siehe Link Applied Kinesiology) weiterentwickelt.
Die Applied Kinesiology hilft dem Chiropraktor ungemein, seine Befunde zu priorisieren. Insbesondere bei scheinbar ,unerklärlich‘ wiederkehrenden Symptomen ist sie ein wertvolles Instrument, um nach den dahinter liegenden Ursachen zu suchen.

Autor: Timo Schmidt


Veröffentlicht in „Gesundheit AKtuell“, Ausgabe 3/2016. Patientenzeitschrift der „Deutsche Ärztegesellschaft für Applied Kinesiology“. Das gesamte Heft und andere Ausgaben können hier heruntergeladen werden: www.dägak.de/fuer-patienten/patientenzeitschrift/

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